Weinbau, Landwirtschaft, Tourismus – Identität und Wirtschaftsfaktor
Rheinland-Pfalz ist ein Land, das traditionell und strukturell eng mit der Landwirtschaft, dem Weinbau, der Forstwirtschaft und dem Tourismus verbunden ist. Rund 47 Prozent der gesamten Landesfläche werden landwirtschaftlich genutzt – ein Wert, der belegt, wie stark die Ernährungssicherung, die Kulturlandschaft und der ländliche Raum vom Einsatz der Landwirtinnen und Landwirte abhängen.
Die Landwirtschaft bildet nicht nur die Basis unserer Lebensmittelversorgung und trägt zur Ernährungssicherheit bei, sondern stellt auch einen erheblichen Wirtschaftsfaktor dar. Gleichzeitig befindet sich der Sektor in einem tiefgreifenden Wandel, den man durchaus als Krise bezeichnen kann: Klimatische Veränderungen, steigende Preise für Energie, Saatgut und Düngemittel sowie ein generell inflationsgeprägtes Umfeld setzen viele Betriebe unter Druck.
Hinzu kommt die schwindende gesellschaftliche und politische Wertschätzung, die in vielen Höfen für Frust sorgt. Dabei ist gerade die kleinteilige und mittelständische Struktur, wie sie in Rheinland-Pfalz noch erhalten ist, ein wertvolles Gut, das es unbedingt zu schützen gilt.
Familienbetriebe unterstützen und fördern
Ein zentrales Anliegen besteht deshalb darin, die Landwirtschaft in ihrer wirtschaftlichen Tragfähigkeit zu stabilisieren und langfristig abzusichern. Dazu gehört Preisstabilität ebenso wie der Erhalt bestehender Steuervorteile, etwa beim Agrardiesel.
Besonders die Entwicklung der letzten Jahre zeigt die dramatische Lage: Stickstoffdünger verteuerte sich zwischen 2021 und 2023 um rund 75 Prozent, Saatgutpreise stiegen um etwa 30 Prozent, und die Energiepreise haben sich teilweise verdoppelt.
In Rheinland-Pfalz gibt es rund 16.000 landwirtschaftliche Betriebe, von denen ein Großteil klein- und mittelständisch ist. Doch die Zahl schrumpft deutlich – allein zwischen 2010 und 2020 ging die Anzahl der Betriebe um etwa 15 Prozent zurück. Viele Familienbetriebe stehen vor existenziellen Herausforderungen.
Um diesen Trend zu stoppen, bedarf es gezielter Förderung junger Landwirtinnen und Landwirte, Förderung junger Landwirtinnen und Landwirte, erleichterter Hofübergaben durch umfassende Beratungsangebote und den Abbau steuerlicher Hindernisse, um Hofübergaben nicht zu erschweren.
Kooperationen wie Maschinenringe oder solidarische Landwirtschaftsmodelle sollten weiter gestärkt werden. Ebenso wichtig ist der Ausbau regionaler Wertschöpfungsketten – von der Produktion über die Verarbeitung bis hin zur Vermarktung.
Klare Herkunftskennzeichnungen, regionale Produktregale im Handel und verlässliche Vertragsmodelle können helfen, die Abhängigkeit von großen Handelskonzernen zu reduzieren und die Sichtbarkeit regionaler Produkte zu erhöhen.
Auch Schutzzölle auf bestimmte Importe sowie ein Abbau unnötiger Bürokratie sind notwendig, um kleinen und mittleren Betrieben wieder mehr Luft zum Atmen zu verschaffen. Die Verwaltung muss als Dienstleister für Betriebe und Verbraucher funktionieren und nicht als Hemmschuh.
Hochwertige Nutzflächen schützen und erhalten
Ein weiteres wichtiges Thema ist der Bodenschutz. Die fortschreitende Versiegelung landwirtschaftlicher Nutzflächen gefährdet nicht nur die Produktion, sondern auch Klima- und Artenschutz.
Neue Photovoltaik- und Windkraftanlagen sollten daher vorrangig auf bereits versiegelten Flächen entstehen. Zugleich ist die Förderung umwelt- und bodenschonender Techniken und Anbausysteme eine Investition in die Zukunftssicherheit des Landes.
Landwirtschaftliche Schulen, Dienstleistungszentren sowie wissenschaftliche Einrichtungen müssen stärker vernetzt und finanziell unterstützt werden.
Auch die Feldwirtschaft verlangt nach neuen Impulsen. Weniger Monokulturen, vielfältige Fruchtfolgen, Blühflächen, Feldränder und mehr kleinteilige Strukturen stärken das Ökosystem und fördern Insekten- und Artenvielfalt.
In Regionen wie Rheinhessen könnten zusätzliche Bäume und Hecken Winderosion verhindern und Tieren Schutz bieten. Die Förderung trockenheitsresistenter Arten sowie eine vernünftige Diskussion über Wild- und Jagdpolitik sind weitere Bausteine.
Weinbau zukunftsfähig machen
Eine besondere Bedeutung für Rheinland-Pfalz hat der Weinbau. Mit mehr als 60.000 Hektar Rebfläche und sechs von dreizehn deutschen Anbaugebieten finden mehr als 65 Prozent der deutschen Weinproduktion in unserem Land statt.
Viele Weinbaubetriebe geraten jedoch aktuell in Existenznot. Drohende Betriebsaufgaben und Insolvenzen im größeren Ausmaß verdeutlichen die Krise. Insbesondere kleinere Weingüter sind betroffen.
Die Forderungen der „Zukunftsinitiative Deutscher Weinbau“, darunter Mindestpreise und eine Erhöhung des deutschen Weinanteils im Handel, sind daher nachvollziehbar.
Nötig sind zudem ein EU-weites Moratorium für neue Anbauflächen, angepasste Stilllegungsprogramme und der Erhalt traditioneller Kulturflächen wie Steillagen. Diese sind nicht nur landschaftsprägend, sondern dienen auch dem Erosionsschutz und der Artenvielfalt.
Neue Rebsorten, pilzwiderstandsfähige Sorten sowie flexiblere Regularien könnten Winzerinnen und Winzern helfen, sich besser auf den Klimawandel einzustellen.
Gleichwertiges Leben in Stadt und Land
Der ländliche Raum mit seinen Städten und Dörfern ist für die Identität von Rheinland-Pfalz genauso wichtig wie die großen Städte. Leider wurde aber über Jahrzehnte durch falsche Politik das Leben im ländlichen Raum immer unattraktiver gemacht, sodass der Altersdurchschnitt in den ländlichen Regionen immer mehr steigt.
Durch den Abbau der öffentlichen Daseinsvorsorge wie medizinischer Versorgung, ÖPNV oder Abbau von kulturellen Angeboten möchten sich immer weniger Menschen im ländlichen Raum niederlassen.
Unser Ziel ist es, dass das Verhältnis zwischen Stadt und Land wieder ausgeglichen ist und es wieder für Alt und Jung attraktiv wird, auf dem Land zu wohnen.
Das BSW setzt sich entschieden für gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land ein. Wir glauben an eine Politik, die unabhängig von ihrem Wohnort gleiche Chancen für alle Bürgerinnen und Bürger sicherstellt und die Vielfalt unserer Regionen würdigt.
Der ländliche Raum ist nicht nur Produktionsstandort, sondern Lebensraum.
Ein gleichwertiges Leben in Stadt und Land ist möglich, wenn Infrastruktur, ärztliche Versorgung, Bildung und Mobilität verbessert werden.
Kommunen brauchen finanzielle Unterstützung, um Dorfkerne zu erhalten, Mehrgenerationenmodelle zu fördern und soziale Treffpunkte wie Vereine, Gasthäuser oder Jugendclubs zu stärken.
Der Ausbau schneller Internetverbindungen, die Stärkung der Nahversorgung sowie steuerliche Anreize für naturnahe Begrünung und Dorfverschönerung tragen dazu bei, die Lebensqualität zu erhöhen.
Tourismus im Einklang mit anderen Interessen
Mit seinen historischen Städten, Kunst- und Kulturschätzen sowie den landschaftlich reizvollen Regionen hat Rheinland-Pfalz eine große Anziehungskraft für Besucher aus aller Welt.
Um das erreichte Niveau auszubauen oder wenigstens zu erhalten, bedarf es erheblicher Anstrengungen, die verfügbaren Fachkräfte zu halten und neue zu gewinnen.
Voraussetzung dafür ist eine faire Bezahlung, vernünftige Arbeitsbedingungen und eine praxisorientierte Ausbildung.
Diese in den Tourismus fließenden Ressourcen müssen besser genutzt werden, zum Nutzen der Touristen, der Bewohner vor Ort, aber auch der Beschäftigten.
Wir unterstützen die Vernetzung von Freizeit- und Kultureinrichtungen, regionalen Produkten sowie Gastronomie- und Beherbergungsbetrieben, um die Wertschöpfung im Land zu erhöhen.
Der Tourismus stellt einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar – mit rund 26 Millionen Übernachtungen jährlich und rund 150.000 gesicherten Arbeitsplätzen.
Besonders der Weintourismus ist ein internationales Aushängeschild des Landes.
Künftig sollte die Entwicklung touristischer Angebote im Einklang mit den Interessen der Einwohner erfolgen.
Angebote im Bereich Naturerlebnis, Wander- und Radtourismus sowie Wassertourismus haben großes Potenzial.
Eine „Rheinland-Pfalz-Card“, die Landwirtschaft, Kultur und Gastronomie verbindet, könnte die Identität des Landes stärken und Synergieeffekte zwischen den Branchen schaffen.